16. Mai 2026
„Es öffnen sich neue Türen und Ohren“
Die E-Phase im Gespräch mit Prof. em. Gerhard Müller-Hornbach
Im Rahmen eines Interviews erhielt der Musikkurs von Herrn Schäfer (E2-Phase) am 13. Mai 2026 die besondere Möglichkeit, mit dem Komponisten zeitgenössischer Musik Prof. em. Gerhard Müller-Hornbach über seinen beruflichen Werdegang, seine Arbeit als Komponist und seine persönliche Verbindung zur Musik zu sprechen. Besonders in Erinnerung blieb dabei seine Aussage: „Es öffnen sich neue Türen und Ohren.“

Die ersten Schritte zur Musik
Die Begeisterung für Musik wurde bei Prof. Müller Hornbach bereits in seiner Kindheit geweckt, so die einleitenden Worte unseres Gastes. Obwohl seine Eltern nicht beruflich musizierten, habe Musik im Familienleben eine wichtige Rolle gespielt. Seine Mutter sang häufig, während sein Vater ein großes Interesse an Opern hatte. Später beeinflussten ihn Bands wie die Beatles und die Rolling Stones, sodass er begann, selbst und autodidaktisch Gitarre zu spielen. Durch das gemeinsame Musizieren in der Schule entstand schließlich der Wunsch, Musik nicht nur zu spielen, sondern auch eigene Werke zu erschaffen.
Der Weg zum Komponisten
Zunächst entschied sich Prof. Müller-Hornbach für ein Lehramtsstudium in den Fächern Musik und Gesellschaftskunde. Dabei hob er hervor, wie bedeutsam es sei, den Bezug zur Lebensrealität nicht zu verlieren. Die Entscheidung, Komponist zu werden, entwickelte sich nach und nach. Er erklärte, dass das Komponieren seinen Platz im Alltag oft erst behaupten müsse. Neue Ideen entstehen dabei nicht ausschließlich am Schreibtisch, sondern ebenso während eines Familienurlaubs oder in ganz gewöhnlichen Alltagssituationen.
Musik als Ausdruck der Gesellschaft
Prof. Müller-Hornbach interessiert sich für die unterschiedlichsten Musikrichtungen. Von Tango über Popmusik bis hin zu den Prinzen schätzt er die Vielfalt musikalischer Ausdrucksformen. Besonders die Musik anderer Kulturen empfindet er als bereichernd, da sie neue Sichtweisen ermöglicht. Für ihn steht fest, dass Musik immer auch die Zeit widerspiegelt, in der sie entsteht. Sein Ziel ist es, Werke zu schaffen, die Menschen berühren und auch über Generationen hinweg ihre Bedeutung behalten. Wenn junge Menschen ein Musikstück noch lange nach seiner Entstehung ansprechend finden, sieht er darin ein Zeichen für dessen Qualität und Beständigkeit.
Kreativität und aktuelle Vorhaben
Jeder Komponist arbeitet auf seine eigene Weise. Manche Ideen lassen sich schnell festhalten, andere benötigen einen längeren Entwicklungsprozess. Eine besondere Herausforderung besteht darin, zu erkennen, wann ein Werk trotz hoher eigener Ansprüche als abgeschlossen gelten kann. Zurzeit beschäftigt sich Prof. Müller-Hornbach mit verschiedenen Projekten. Dazu gehören Kompositionen für Violine, Horn und Klavier, die sich mit unterschiedlichen Vorstellungen von Zeit auseinandersetzen. Außerdem arbeitet er an einem Werk für fünf Gesangsstimmen und zwei Instrumentalisten, das ein historisches Ereignis aus der Sicht einer Frau erzählt.
Fazit
Das Interview ermöglichte der E-Phase interessante Einblicke in die Welt des Komponierens zeitgenössischer Musik. Es wurde deutlich, dass Musik weit mehr ist als Unterhaltung. Sie kann Menschen inspirieren, verbinden und – wie Prof. Müller-Hornbach es formulierte – neue Türen und neue Ohren öffnen.
Durch das Interview führten: Martha und Matvii [E2]
Text: Anna, Noah und Niklas [E2]
Fotos: Delong [E2], Sfr [Lehrkraft]


Anmerkung Sfr:
Im Rahmen des Musik Monat Mai und ganz unabhängig vom o.g. Begegnung mit einem Komponisten konnte sich der Musikkurs wenige Tage nach dem Interview einen sehr praxisbezogenen Eindruck bei einem Probenbesuch des Ensemble Modern in der Schwedlerstraße, Frankfurt am Main, verschaffen, das sich der Aufführung zeitgenössischer Musik widmet.
Nach einem kurzen Kennenlernen und einem experimentellem Warm Up wurde das Werk „Akrostichon Wortspiel“ der Komponistin und Siemenspreisträgerin Unsuk Chin geprobt, währenddessen die Schüler:innen verteilt inmitten des Ensembles saßen. Eine Aufnahme des Werkes findet sich hier auf Youtube.
Unsuk Chin zu Ihrem Werk:
„Akrostichon Wortspiel“ besteht aus sieben Szenen aus den Märchen Die unendliche Geschichte von Michael Ende und Alice hinter den Spiegeln von Lewis Carroll. Die ausgewählten Texte wurden auf verschiedene Weise bearbeitet: Mal wurden Konsonanten und Vokale willkürlich zusammengesetzt, mal die Wörter rückwärts gelesen, so dass nur die symbolische Bedeutung übrigbleibt.
Alle sieben Stücke sind um einen bestimmenden Zentralton herum aufgebaut, aber in ihren Ausdrucksmitteln ganz voneinander abgegrenzt. Jedes handelt von einer anderen in den Märchen beschriebenen Situation oder Gefühlslage, von heiter bis grotesk.
Die Stimmung einiger Instrumente ist um einen Viertel- bis Sechstelton verschoben, um eine verfeinerte Mikrotonalität zu erzielen. Die Sopransolistin schwankt zwischen den beiden Stimmsystemen, je nachdem, welches sie gerade wahrnimmt."
Satzangaben:
I.Versteckspiel
II. Das Rätsel von den drei magischen Toren
III. Die Spielregel: sträwkcur tieZ
IV. Vier Jahreszeiten in fünf Strophen
V. Domifare S
VI. Das Beliebigkeitsspiel
VII. Aus der alten Zeit