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Schulcurriculum

Vorwort

Rechtliche Grundlage

Das Adorno-Gymnasium verpflichtet sich dem Hessischen Schulgesetz (Fassung vom 22. Mai 2014), welches grundsätzlich die am 1. August 2011 in Kraft getretenen Kerncurricula und Bildungsstandards anstelle der Lehrpläne zur verbindlichen Unterrichtsgrundlage erklärt:  „Schulen [können] mit weiteren inhaltlichen Konkretisierungen aus den Kerncurricula einschließlich der zugrundeliegenden Wissensstände ein Schulcurriculum entwickeln, in dem der Aufbau überfachlicher Kompetenzen beschrieben wird und profilbezogene Ergänzungen aufgenommen werden. [...]

Die Möglichkeit der Schulen, ihr eigenes pädagogisches Konzept sowie die besonderen Ziele und Schwerpunkte ihrer Arbeit zu entwickeln, ist dabei zu beachten.“ (§ 4 Absatz 4 HSchG)

Schulschwerpunkt: Gesellschaftswissenschaftlicher Blickwinkel in allen Fächern und Ausrichtung am Leitbild der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

Der Schule als Lebensraum und der Gestaltung von Lernumgebungen kommt eine besondere Bedeutung zu. Viele Ziele von Schule weisen deutlich über den zeitlichen Rahmen des Schulbesuchs hinaus und folgen somit der Konzeption eines lebensbegleitenden Lernens. Das Adorno-Gymnasium legt daher einen deutlichen Schwerpunkt auf eine humanistische Perspektive bei der Behandlung aller an der Schule zu vermittelnden Kompetenzen. Alle an der Schule unterrichtenden Lehrpersonen verpflichten sich einer sinnvollen Vernetzung von Kenntnissen, Fähigkeiten und Werthaltungen, welche die Lernenden intensiv auf eine aktive und verantwortungsvolle Teilhabe am Leben vorbereiten und stärken soll. Dies konkretisiert sich am Adorno-Gymnasium wie im folgenden Absatz beschrieben.

Das Schulcurriculum des Adorno-Gymnasiums orientiert sich insbesondere an den Zieldimensionen der nachhaltigen Entwicklung. Wir richten uns dabei an dem Dreierschritt der Kernkompetenzen in der Globalen Entwicklung aus: Erkennen – Bewerten – Handeln. Die Hervorhebung einiger daraus erwachsenden Kernkompetenzen an dieser Stelle zeigt die hohe Relevanz für die Ausrichtung eines Schulcurriculums, welches sich der Vermittlung von menschlichen Qualitäten wie zum Beispiel Offenheit, Toleranz und Empathiefähigkeit, Kritik- und Konfliktfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Partizipation verschreibt:

Im Lernbereich Globale Entwicklung werden unter dem Stichwort „Erkennen“ unter anderem die Kompetenzen der Informationsbeschaffung und -verarbeitung und des Erkennens von Vielfalt in der Einen Welt beschrieben. Unter dem Stichwort „Bewerten“ hebt der Lernbereich Globale Entwicklung zum Beispiel die Kompetenz des Perspektivenwechsels und der Empathie hervor, sich eigene und fremde Wertorientierungen in ihrer Bedeutung für die Lebensgestaltung bewusst zu machen, zu würdigen und zu reflektieren, aber auch die Fähigkeit zur kritischen Reflexion und Stellungnahme. Im Bereich „Handeln“ sind hier besonders hervorzuheben die Förderung von Solidarität und Mitverantwortung für Mensch und Umwelt, Entwicklung von Verständigungs- und Konfliktlösungsstrategien zur Überwindung soziokultureller und interessenbestimmter Barrieren in Kommunikation und Zusammenarbeit oder auch der Befähigung zur Partizipation und Mitgestaltung der Ziele der nachhaltigen Entwicklung im privaten, schulischen und beruflichen Bereich und der Beteiligung an ihrer Umsetzung auf gesellschaftlicher und politischer Ebene.

Vernetzung fächerübergreifender Zugänge, außerschulische Kooperationen

Eine solche Ausrichtung an den Kernkompetenzen des Lernbereich Globale Entwicklung findet an unserer Schule fächerübergreifend statt und zeigt sich an sehr vielen Stellen unserer Fachcurricula und zusätzlichen schulischen Aktivitäten. Im Sinne des oben beschriebenen Schulschwerpunkts führen alle unsere Fachcurricula zu einer Vernetzung und gegenseitigen Unterstützung bei der Förderung der beschriebenen Kernkompetenzen. Wir unterrichten in den Fachbereichen nicht isoliert, sondern verschränken zum Beispiel Unterrichtsinhalte des MINT-Bereichs (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) aber auch des sprachlich-musisch-künstlerischen Bereichs anwendungsbezogen mit zentralen gesellschafts-wissenschaftlichen Fragen. Dies wird an folgenden Beispielen deutlich:

In den ersten beiden Unterrichtsjahren an unserer Schule erfahren und erleben die Schüler*innen durch den Zusammenschluss der Fächer Erdkunde, Geschichte und Politik und Wirtschaft zu Gemeinschaftslehre (GL) sehr viel über Verflechtung und Untrennbarkeit globaler und lokaler Themen in geschichtlichen, geografischen, politischen und wirtschaftlichen Dimensionen. Gleichermaßen vermittelt der Zusammenschluss des Naturwissenschafts-Unterrichts (NaWi) aus Biologie, Physik und Chemie in den Klassen 5 und 6 die enge Verbindung natur- und gesellschaftswissenschaftlichen Denkens und Forschens. An dieser Stelle ist es interessant darauf zu verweisen, dass dem Adorno-Gymnasium am 27.11.2017, bereits nach zweijährigem Bestehen der Schule, die Auszeichnung MINT-freundliche Schule verliehen wurde.

Die Vernetzung der Schule beinhaltet außerdem bereits die Kooperation mit zwei Partnerschulen in Frankreich und eine in China. Mit den Schulen in beiden Ländern sind kultureller Dialog und Schüler*innenaustausche geplant.

Im Wahlunterricht der Klassen 9 und 10 wird unser Ansatz mit dem gesellschaftswissenschaftlichen Schwerpunkt und der Bildung für nachhaltige Entwicklung besonders deutlich. Neben dem Angebot, die beiden Weltsprachen Spanisch und Chinesisch als dritte Fremdsprache zu erlernen, sind alle Wahlunterrichtskurse in fächerübergreifenden und handlungsorientierten Profilen organisiert, die gesellschaftswissenschaftliche Fragestellungen in Verbindung mit naturwissenschaftlichem und technischem Handeln und Forschen ergründen, aber auch künstlerisch-musisch-ästhetisches Agieren einschließen und sich hierbei vielfältiger digitaler und analoger Techniken als Erarbeitungswerkzeuge bedienen. Bewusst arbeiten hier Kolleg*innen aus unterschiedlichen Fachbereichen in Teams zusammen mit den Schüler*innen und gestalten die Unterrichtsinhalte immer wieder mit den Lernenden gemeinsam in Projekten. Die Lernenden erfahren hier besonders deutlich interdisziplinäre Verknüpfungen und deren Notwendigkeit für eine ganzheitliche und nachhaltige Welterschließung. Die Bezeichnungen der WU-Profile selbst: „Robotik/Informatik“,„Bili+History, Politics, Philosophy +Drama“, “Ästhetik“, „Gesund und Nachhaltig Leben“ sowie „ExperiMINT+“ machen diesen interdisziplinären Ansatz bereits deutlich. Die genaue Konzeption unseres Wahlpflichtangebot ist in der Beschreibung des WU-Angebots im Anhang hinter den Fachcurricula beschrieben oder auf unserer Homepage unter Wahlunterricht.

Digitales Handeln hat bei der modernen Unterrichtsgestaltung in allen Fächern seinen festen Stellenwert. Dies wird in unserem Medien- und Methodencurriculum, welches sich am Praxisleitfaden Medienkompetenz des Hessischen Kultusministeriums ausrichtet, beschrieben. Querverweise auf die in diesem Praxisleitfaden (dort S. 8-11) aufgeführten sechs Kompetenzbereiche finden sich in jedem Fachcurriculum. Unser Medien- und Methodencurriculum enthält außer den digitalen Kompetenzen auch viele weitere zentrale methodische Kompetenzen,dieder Bildung fachlicher Lernorganisations-, Reflexions- und Präsentationstechniken dienen und damit dem Dreierschritt Erkennen – Bewerten – Handeln des Lernbereichs Globale Entwicklung entsprechen.

Die integrale Verbindung von Naturwissenschaft und Technik mit geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Fragen erweitert sich außerhalb des Regelunterrichts durch die Teilnahme an einer großen Anzahl von gesellschafts- und naturwissenschaftlichen Wettbewerben oder (Sprach-) Zertifikaten und Projekttagen, wie zum Beispiel „Jugend präsentiert“, „Mathematik-, Känguru- und Pangea- Wettbewerb“, dem Wettbewerb „Solarrennen“, dem „Diercke Wissen-Erdkunde-Wettbewerb“, die „Internationale Junior Science Olympiade(IJSO)“ und im sprachlichen Bereich „The Big Challenge“, und die Vorbereitung auf DELF- und Cambridge-Zertifikate. Projekttage zur Bildung für nachhaltige Entwicklung stellen zum Beispiel der Fachtag „Demokratie und Mitbestimmung“  und der „Kulturtag“ der Klassen 5 dar ebenso wie die Projektwoche „Nachhaltigkeit“ in den Klassen 7. Zusätzlich machen zahlreiche Exkursionen zu Laboreinrichtungen der Physik- und Chemie-Institute der Goethe Universität oder Exkursionen in Kooperation mit dem Institut der Physischen Geographie wissenschaftliches Arbeiten anschaulich begreifbar. Ebenso eine sehr anwendungsbezogene Möglichkeit, technische Kompetenz zu entwickeln, bieten die schuleigenen Arbeitsgemeinschaften der Logistik- und der Schulradio-AG. Eine detaillierte Übersicht aller dieser Angebote findet sich auf unserer Homepage unter Angebote und Veranstaltungen.

In unserem Schulcurriculum haben sehr viele regelmäßige Unterrichtsprojekte ihren Platz, die dem Bildungsziel der Nachhaltigen Entwicklung verpflichtet sind und in einigen Fällen durch Kooperationen mit außerschulischen Bildungspartnern die klassischen Grenzen schulischer Bildung überschreiten. So sensibilisieren regelmäßige Projekte mit kirchlichen Einrichtungen wie dem Haus am Dom oder einer Bildungspartnerschaft mit MISEREOR das soziale Bewusstsein und Engagement der Lernenden. Studierende des Studiengangs Umwelttechnik an der Hochschule Rhein Main begleiten unsere Schüler*innen bei der Arbeit mit dem Microcomputer „RasberryPi“ und beim Erlernen der Programmiersprache Python im WU-Unterricht „Robotik/Informatik“. Auch die Arbeit des WU Profils „Gesund und Nachhaltig leben“ wird von Studierenden unterstützt, in diesem Fall handelt es sich um eine Kooperation mit dem Institut der Humangeographie der Goethe Universität.

Der Einstieg des Adorno-Gymnasiums in das Projekt Kultur.Forscher! eröffnet weitere Schritte in der Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Die Schule ist hier bereits Partnerschaften eingegangen mit dem Fachbereich Erziehungswissenschaften der Phillips Universität, Marburg, sowieder Bildungsstätte-Anne-Frank, dem Historischen Museum, sowie der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Ab dem Schuljahr 2020/2021 forschen unsere Schüler*innen in unterschiedlichen Fächerkombinationen eigenständig aber unterstützt von außerschulischen Bildungseinrichtungen an Themen, die sie mit ihrer sozialen, kulturellen und historischen Identität konfrontieren und ihnen die Möglichkeit geben, ihre Umwelt ästhetisch zu erschließen.  

Erarbeitung, Fortschreibung und Evaluation

Als sehr junges, im Jahre 2015 gegründetes Gymnasium, befindet sich das Adorno-Gymnasium immer noch in der Entstehungsphase. Dementsprechend begreifen wir unser Schulcurriculum besonders deutlich in seiner Prozesshaftigkeit. Mit der konkreten Niederschrift der Fachcurricula, aus denen sich unser Schulcurriculum zusammensetzt, wurde zu Beginn des Kalenderjahres 2019 begonnen. Das bereits im Jahr 2017 begonnene Medien-und Methodencurriculum wurde inzwischen in die Curricula integriert. Zum März 2020 sind in den meisten Fächern die Curricula für die Klassen 5-9 vorerst fertiggestellt, die Erarbeitung der Curricula für Klasse 10 soll im Schuljahr 2020/2021 durchgeführt werden, wenn der erste Jahrgang an unserer Schule diese Klassenstufe durchläuft.

Die von den Fachkonferenzen bereits beschlossenen Fachcurricula strukturieren verbindlich den Unterricht inhaltlich und im Aufbau der fachlichen und überfachlichen Kompetenzen im Fachunterricht. Sie konkretisieren die gesetzlichen und erlassgemäßen Vorgaben, koordinieren unterrichtliche Maßnahmen sowohl innerhalb eines Jahrgangs als auch jahrgangs- und fächerübergreifend und unterstützen die Zusammenarbeit der Lehrer*innen. Die als Bestandteil der Fachcurricula festgelegten verbindlichen Unterrichtseinheiten werden ebenso wie die Fachcurricula regelmäßig evaluiert und weiterentwickelt.

Voraussichtlich im Schuljahr 2021/2022, nachdem unsere erste Schülergeneration die Sekundarstufe I vollständig durchlaufen haben wird, soll das Schulcurriculum des Adorno-Gymnasiums durch die Schulkonferenz verabschiedet werden.

Aufbau der Fachcurricula

Das Schulcurriculum besteht aus den Fachcurricula aller in der Sekundarstufe I unterrichteten Fächer sowie aus den jahrgangsbezogenen Beiträgen der einzelnen Fächer zum Medien- und Methodencurriculum.

Alle Fächer folgen in ihren Fachcurricula einer Formatvorgabe, die verbindliche und optionale Elemente ausweist. Verbindlich sind die vom Kerncurriculum vorgeschriebenen Standards und Fachkompetenzen, das gleiche gilt für die inhaltlichen Konkretisierungen dieser Standards.

Dieses allgemeine Format gliedert sich in folgende Kategorien: Inhaltsfeld/Inhaltliche Konkretisierung (vom Kerncurriculum vorbestimmt); Kompetenzschwerpunkte (den vorgenannten Inhaltsfeldern zugeordnet); Medien- und Methodenschwerpunkte (das Mediencurriculum ist den Kompetenzbereichen aus dem Praxisleitfaden Medienkompetenz des Kultusministeriums zugeordnet, die methodencurricularen Angaben entsprechen schulisch getroffenen Vereinbarungen); die Kategorie Schulspezifische Elemente/ Verknüpfungen mit anderen Fächern verweist auf konkrete Bezüge zu Schulschwerpunkten und fächerübergreifenden Elementen) und die Kategorie Lehrwerksbezug/ Unterrichtsmaterialien zeigt konkrete, teils verbindliche, teils optionale Materialbezüge.

In einigen Fällen ergeben sich Abweichungen von der allgemeinen Formatvorgabe, diese sind aus fachspezifischen Besonderheiten notwendig.