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Adorno und unsere Schule

Wer war Adorno?

Theodor W. Adorno (1903–1969) war Philosoph, Soziologe, Musiktheoretiker und einer der bedeutendsten Vertreter der sogenannten Frankfurter Schule. Der gebürtige Frankfurter beschäftigte sich in seinem umfangreichen Werk mit gesellschaftlichen Verhältnissen, Kultur und Kunst, Erziehung und Bildung sowie mit der Frage, wie selbstständiges und kritisches Denken möglich ist.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Adorno 1933 die Lehrbefugnis entzogen. 1934 ging er nach Oxford, 1938 emigrierte er in die USA. 1949 kehrte er nach Frankfurt zurück und lehrte an der Goethe-Universität. Gemeinsam mit Max Horkheimer prägte er maßgeblich die Arbeit des Instituts für Sozialforschung und die Kritische Theorie.

Sein Denken beeinflusste die gesellschaftlichen und politischen Debatten der Bundesrepublik und insbesondere die Auseinandersetzungen der 1960er-Jahre. Zugleich beschäftigte sich Adorno intensiv mit Musik, Literatur und ästhetischen Fragen und hinterließ auch auf diesen Gebieten ein umfangreiches Werk.

Seit 1977 verleiht die Stadt Frankfurt alle drei Jahre den Theodor-W.-Adorno-Preis für herausragende Leistungen in den Bereichen Philosophie, Musik, Theater und Film.

Adorno und unsere Schule

Dass unsere Schule den Namen Theodor W. Adornos trägt, verstehen wir nicht nur als Erinnerung an einen bedeutenden Frankfurter Philosophen. Viele Fragen, mit denen sich Adorno auseinandersetzte, finden sich in anderer Form auch in unserem Schulprofil wieder: Wie lernen Menschen, selbstständig zu denken und sich ein eigenes Urteil zu bilden? Wie können sie gesellschaftliche Verhältnisse kritisch hinterfragen? Welche Verantwortung trägt der Einzelne für das Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft? Und welche Bedeutung haben Kunst, Kultur und ästhetische Erfahrung für Bildung?

Unser gesellschaftswissenschaftlicher Schwerpunkt greift solche Fragen in besonderer Weise auf. Bereits in den Jahrgangsstufen 5 und 6 verbindet das Fach Gesellschaftslehre politische, historische und geographische Perspektiven. In den folgenden Jahrgangsstufen setzen Politik und Wirtschaft, Geschichte, Geographie, Religion, Ethik und Philosophie diese Auseinandersetzung fort.

Eine besondere Bedeutung hat dabei das Fach Philosophie: Am Adorno-Gymnasium ist Philosophie bereits ab der Jahrgangsstufe 8 für alle Schülerinnen und Schüler fest in der Stundentafel verankert. In der Oberstufe kann das Fach weitergeführt und auch bilingual belegt werden. Philosophieren bedeutet für uns dabei vor allem, Fragen zu stellen, vermeintliche Selbstverständlichkeiten zu prüfen, unterschiedliche Positionen kennenzulernen und begründet zu einem eigenen Urteil zu gelangen.

Auch Demokratiebildung und gesellschaftliche Verantwortung gehören zu unserem schulischen Selbstverständnis. Vom Fachtag „Demokratie und Mitbestimmung“ in Klasse 5 über Projekte zu Menschenrechten, Partizipation und Diskriminierung bis hin zu Angeboten wie „Diskutieren, Debattieren, Demokratie“ schaffen wir Gelegenheiten, in denen Schülerinnen und Schüler lernen, unterschiedliche Perspektiven wahrzunehmen, Positionen zu begründen und Verantwortung für das gemeinsame Zusammenleben zu übernehmen.

Adorno war jedoch nicht nur Philosoph und Gesellschaftstheoretiker. Musik, Literatur und Kunst waren für sein Denken von zentraler Bedeutung. Auch deshalb hat kulturelle und ästhetische Bildung an unserer Schule einen festen Platz – in Musik, Kunst und Darstellendem Spiel ebenso wie im Kulturführerschein, in Projekten und in der Zusammenarbeit mit außerschulischen Kulturinstitutionen.

Dabei verstehen wir die einzelnen Bereiche nicht isoliert voneinander. Gesellschaftliche, naturwissenschaftliche, kulturelle und philosophische Fragen begegnen sich in unserem Unterricht und in zahlreichen fächerübergreifenden Projekten. Kritisches Denken bedeutet für uns gerade auch, Zusammenhänge wahrzunehmen und Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten.

Den Namen Adornos zu tragen bedeutet für uns deshalb nicht, seine Antworten zu übernehmen. Es bedeutet vielmehr, Fragen zuzulassen, Widersprüche auszuhalten, genau hinzusehen und das eigene Urteil nicht anderen zu überlassen.

Was kann Adorno uns heute über Schule sagen?

Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Adorno-Gymnasiums am 2. Juli 2025 hielt Carolin Serena Cyranski, Doktorandin der Soziologie, einen Festvortrag über Adornos Gedanken zu Schule und Bildung.

Unter dem Titel „Was kann Adorno uns heute über Schule sagen?“ geht sie der Frage nach, welche Bedeutung Adornos Denken für Schule und Bildung in der Gegenwart haben kann.

Den vollständigen Festvortrag können Sie hier lesen.