Navigations Button

Philosophie

Das Fach Philosophie

Der Name Adorno verpflichtet dazu, das Fach Philosophie im Adorno-Gymnasium in den Fächerkanon aufzunehmen. Berechtigt der Name darüber hinaus die Philosophie, eine prominente, vielleicht sogar dominierende Rolle zu spielen, etwa als Kritische Theorie? Daraus folgte eine direkte Konfrontation mit dem, was die kritische Theorie als traditionelle Theorie denunzierte, die instrumentelle Vernunft. Aber kritischer hätten die Vertreter der Kritischen Theorie wohl auch sein müssen, denn sie ist nicht selten selber instrumentalisiert worden.

Philosophie soll überhaupt Kritik sein, nicht nur als Kritische Theorie. Das Wort Kritik stammt aus dem Griechischen und bedeutet Prüfung. Kritik zu sein ist Bestimmung der Philosophie seit Kant, nicht erst seit Adorno und der Frankfurter Schule. Hölderlin fasste diese Aufgabe in die Verse:

Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,
Daß er kräftig genährt, danken für alles lern
Und verstehe die Freiheit,
Aufzubrechen, wohin er will.

Hölderlin verknüpft, wenn auch zunächst unbemerkt, Kritik und Tradition. Eingangs wird die Kritik beschworen, die nicht beschränkt sein soll: Alles werde ihr Gegenstand, so die Himmlischen. Dieses Alles umfasst natürlich auch die Himmlischen selbst. Und wie könnte dann Selbstkritik des Kritikers ausgespart bleiben? Gerade sie wird nicht als etwas verstanden, das entmutigt, sondern kräftigt. Wenn dabei die Illusionen auf der Strecke bleiben, auf die sich verlassen zu können man geglaubt hat, wenn sie ent-täuscht werden, ist Dankbarkeit auch gegenüber der Tradition gefordert. Als ihr Gegenstand hat sie die Kritik erst hervorgerufen, in ihr geschult zu sein ist daher unerlässlich. Der Aufbruch ist nur darum verstandene Freiheit und damit philosophische Bildung, weil er Herkunft voraussetzt: Freiheit für etwas setzt Freiheit von etwas voraus.

Der Philosophieunterricht macht die Schülerinnen und Schüler in der Sekundarstufe ab der achten Jahrgangsstufe mit der Tradition der europäischen Philosophie bekannt. Er will aber nicht einfach Philosophiegeschichte sein. Vielmehr geht es darum, die Philosophie als Logik kennenzulernen, die sich, anders als die Alltagssprache mit ihrem Weltbezug als Metasprache ausschließlich auf Sprache bezieht. Wissen, was man sagt, wird zur regulativen Idee, die das Sprechen (und Schreiben) leiten soll. Damit erklärt sich auch, warum die Griechen der Philosophie bedurften: Für Bewohner des ägäischen Archipels, damit Seefahrer, die in demokratischer Verfassung zusammenlebten, galt, Beratung zu schulen, sicher auch Fremdsprachen, um den Handel zu befördern. Philosophie ist darum wesentlich Sprachkritik mit nicht zuletzt politischer Konnotation, Erziehung zur Demokratie.

Damit geraten schließlich die anderen Fächer des Kanons in den Blick. Der Philosophieunterricht führt auch sie in die Krise, wofür sie dankbar sind, weil sich ihnen so Möglichkeiten eröffnen aufzubrechen, wohin sie wollen.

In der Oberstufe wird die Lektüre philosophischer Primärliteratur in den Fokus rücken.

 

Mathias Eichhorn, Fach Philosophie.